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Leseprobe

Schmitz´ Katze von Ralf Schmitz

 

Katzen-Macken

Zugegeben : Eigentlich könnte man achtzig Prozent der in die­sem Buch enthaltenen Geschichten unter der Gesamtüberschrift »Katzen-Macken« zusammenfassen. Das bringt das »Katze- Haben« naturgemäss mit sich. Die Katze an sich hat einfach ein paar Sprünge in der Schüssel, da hilft alles Schönreden nichts. Aber genau deshalb ist sie ja auch so beliebt. Sie ist uns ähnlich. Stellen Sie sich doch mal vor, Katzen wären ausschliesslich gute, liebevolle Geschöpfe, die niemals Ärger oder Kopfzerbrechen machten - da wäre dieses Buch aber verdammt kurz geworden. Und langweilig. Ausser vielleicht für Wiebke und Roger mit wei­chem »g«.

Und obwohl natürlich jede Katze unzählige Macken hat, ist meine Minka im weltweiten Vergleich definitiv ganz weit vorne mit dabei. Wie gesagt, davon handelt dieses Buch zum grossen Teil. Minka hat aber teilweise SO grosse Macken, dass es hierfür eines eigenen Kapitels bedarf.

 

Die Katze und Alzheimer

Minka ist übrigens nicht nur 23 und kotzt wie 'ne Wilde, nein, sie ist auch noch taub und hat Alzheimer.* Jetzt fragen Sie si­cher, wie man das merkt. Aufgepasst . . .

Sie haben sicher schon mal eine Katze miauen hören. Ob es jetzt die Katze des Freundes, des Nachbarn oder gar die eigene war, ist egal. Sicher gibt es da den einen oder anderen Unterschied, aber im Grunde ähneln sie sich doch alle in Art, Ton und Lautstärke.

Meine Katze ist taub.

Das bedeutet, sie hört sich selber nicht mehr. Also, das mit den Tönen und den Dezibel, das hat sie nicht mehr so raus. Das klingt bei Minka anders . . .

»MiAAAAAAAA UUU«

Man kann es nicht ignorieren! **

 

* Wussten Sie eigentlich, . . .

dass sich die Lebenserwartung von Katzen seit 1930 von acht auf sechzehn Jahre verdoppelt hat? Pöh!

** Wussten Sie eigentlich, . . .

dass Katzen besser hören als Hunde? Ein Mäusepiepsen genügt ihr, um ihr Opfer zu orten. Eine Katze kann

Schwingungen bis 60 000 Hertz wahrnehmen, und die liegen bereits im Ultraschallbereich. Sie weiss sofort, mit welcher Geschwindigkeit sich das Opfer in welche Richtung bewegt.

 

Egal, ob Sie gerade gemütlich auf der Couch sitzen, auf dem Klo oder Ihrer Freundin einen Heiratsantrag machen, Sie hal­ten diese Attacke einer schwerhörigen Katze höchstens zehn Sekunden aus, dann rennen Sie zu ihr und erfüllen ihr jeden Wunsch.

Minka möchte dann zum Beispiel auf den Balkon, mit den Schneeflocken spielen, aber die Tür ist zu.

»MiAAAAAAAA UUU«

Ich renne hin, mache die Balkontür auf, sie hüpft raus, ich ma­che die Tür wieder zu.

Nach fünf Sekunden merkt sie : »Oh, das ist aber scheisskalt hier draussen.«

Dann will sie wieder rein. Es ist dasselbe Bild, nur diesmal ohne Ton.

Meine Katze bleibt dann genau einen Meter von mir entfernt mit dem Rücken zu mir sitzen, guckt mich langsam über die rechte Schulter zurück an, mit einem Ausdruck - tja, das ist so ein Blick, als ob deine Freundin dich anguckt, weil du was verbrochen hast, sie dir aber noch nicht gesagt hat, was es ist : »Scheisskalt draussen, ARSCHLOCH!«

Ich sitze gerade wieder auf der Couch, da hat meine Katze ver­gessen (Alzheimer lässt grüssen), dass sie heute schon mal drau­ssen war. Dann will sie wieder raus . . .

»MiAAAAAAAA UUU«

Tür auf, Katze raus, Tür wieder zu. Nach fünf Sekunden . . .

Das passiert dann dreissig, vierzig Mal hinter ein an der. Raus, rein, raus, rein, raus, rein . . .

Letztens stand ICH draussen.

Meinen Sie, die hätte mich wieder reingelassen? Frechheit.*

Ich glaube sie hat einen Plan. Sie will, dass ich irgendwann denke, ICH hätte Alzheimer. Aber nicht mit mir! ** Was macht denn die süsse Katze da auf meinem Balkon?

Zu jeder Katze gehört das Katzenklo im Bad. Das wissen wir ja schon. Aber in dem Katzenklo befinden sich diese kleinen, wei­ssen Kügelchen, die Katzenstreu. Ich frage mich seit dreiund­zwanzig Jahren, wie diese kleinen, süssen Tiere es schaffen, das Zeug in der gesamten Bude bis in den letzten Winkel zu vertei­len. Egal, ob du zwanzig Quadratmeter hast oder zweihundert­fünfzig: Die schaffen das locker!

An den unmöglichsten Stellen findest du diese kleinen Mini­bröckchen.

Du wachst morgens auf und hast so einen Krümel in der Nase. Und du kannst froh sein, wenn es nur die Nase war. Ich hatte auch schon . . .

 

* Wussten Sie eigentlich, . . .

dass Sir Isaac Newton, der Entdecker der Schwerkraft, auch der Erfinder der Katzentür ist?

** Wussten Sie eigentlich, . . .dass die vermutlich älteste Katze der Welt im Jahr 1939 kurz vor ihrem 38. Geburtstag starb?

 

© S. Fischer Verlag

 

 

 

 

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